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Krieg, Demenz & Liebe

Jeden Montagnachmittag hole ich Frau Müller Zuhause ab und fahre mit ihr zu den Pferden. Heute ist ein grauer, trüber Tag und irgendwie nervt mich alles: Das Wetter, die Verkäuferin, die nicht so funktioniert hat, wie ich es gerne hätte und am meisten nerve ich mich selbst. Mit dieser Stimmung klingle ich also bei meiner Klientin. Strahlend öffnet sie mir die Tür und sagt: „Da bist du ja, meine Süße!“ Ich muss sofort lachen und schlagartig ist meine trübe Stimmung verflogen. Sie ist immer eine besonders herzliche, alte Dame, aber das „meine Süße“ ist neu. Ich überlege, warum sie wohl so genau gespürt hat, was ich gerade brauche. Dabei habe ich das schon so oft erlebt. Das Herz wird nicht dement.

Im Auto fängt sie dann an, wie jede Woche, von ihrem Mann und seinen schrecklichen Kriegserlebnissen zu erzählen. Wie er als Soldat in Gefangenschaft war und ein halbes Jahr, ohne Decke, ohne alles auf der Erde schlafen musste. Er wurde dabei sehr krank. Sie erzählt auch von ihren eigenen Kriegserlebnissen und welche Angst sie hatte, als die Bomber, über ihren Elternhof hinweg, Richtung Münster flogen. Wenn die Bomber angegriffen wurden, mussten sie schon vor Münster ihre Fracht loswerden. „Die Bomben fielen und wir Kinder mussten uns in die Gräben zwischen den Feldern schmeißen“, erzählt mir die alte Dame. Ich merke, wie sie, und auch ich in diesen Bildern versinken. Es sind immer dieselben Geschichten von Krieg, Angst und Tod.

Ich unterbreche sie ganz bewusst und mache Musik an. Die alten Schlager, die sie so sehr mag. Noch ist sie tief in ihrer Vergangenheit. Ich unterbreche sie und frage, ob sie das Lied kennt. Sie bemerkt, was ich tue, so dement ist sie noch nicht, und sagt: „Ja, wir wechseln jetzt besser das Thema.“ Ich versuche es mit mitsingen. So langsam kommt sie wieder zurück und bemerkt das Lied: „Rote Lippen soll man küssen“. Sie lacht und erzählt wieder von ihrem Mann. „Mein Mann hat immer gesungen. Zuhause, bei der Arbeit und mit den Kindern. Die hatten dann immer einen Spaß!“ Ich drehe das Autoradio leiser, damit ich ihr besser zuhören kann. Sie singt den Refrain mit und erzählt: „Das Lied hat mein Mann auch immer gesungen. Der konnte richtig gut singen! Und tanzen konnten der!“ Ihre Augen leuchten. „Einmal hat er dieses Lied gesungen und mich beim kochen von hinten mit einem Kuss überrascht.“  Als nächstes Lied kommt „Tanze mit mir in den Morgen“. Dieses Mal singt sie sofort mit. „Ach, wenn mein Mann mich jetzt sehen könnte. Der hätte Spaß! Zu diesem Lied hat er immer mit mir getanzt.“

Ich frage mich, was wohl hilft so schlimme Zeiten zu überstehen. Es ist wohl die Liebe und bestimmt auch Musik.

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Warum Tiergestützte Therapie?

Warum Reittherapie? Was macht den Lernpartner Pferd so besonders? TAG DER OFFENEN TÜR bei Ameling bewegt.: Vorstellung meiner Arbeit als Reittherapeutin und in der Tiergestützten Therapie. Der wunderschöne Standort „Hohe Heide“ Beckmann in Rheine, liegt direkt am Waldrand. Nur 10 Minuten fußläufig entfernt fließt die Ems (Fluss). Meine Klienten, vom Kind bis zum Senior, finden hier Ruhe und Entspannung. Menschen mit Demenz fühlen sich bei uns angenommen und sicher.

 

Ich möchte Sie herzlich einladen zum TAG DER OFFENEN TÜR bei Ameling bewegt. in Rheine. Wenn Sie schon immer mal wissen wollten, warum Tiergestützte Therapie und Reittherapie so gut funktioniert, warum das Zusammensein mit Pferden die eigene Persönlichkeit weiterentwickelt oder warum Pferde oft eine tiefe, beruhigende Wirkung auf Menschen mit Demenz und Menschen mit Handicaps haben – kommen Sie vorbei!

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Ameling bewegt. – Wer bewegt wen?

Menschen mit Demenz in die Mitte unserer Gesellschaft bringen. –
Das ist meine Vision.

In den letzten 10 Jahren durfte ich, durch meine Arbeit in der sozialen Betreuung, viele Menschen bewegen. Immer wieder haben diese Begegnungen aber auch mich sehr bewegt… Qualitätszeit für meine Klienten und gleichzeitige Entlastung der pflegenden Angehörigen – das ist mein Auftrag. Unterstützt werde ich dabei von meinen Tieren in der Tiergestützten Therapie. Pflegende Angehörige sind der Pflegedienst der Nation. Über 70 % aller Pflegebedürftigen in Deutschland (mehr als zwei Millionen!) werden Zuhause gepflegt. Viele Pflegende vergessen sich dabei selbst – umso wichtiger ist ihre Unterstützung.